Trotz Protesten und Unterschriftenlisten des Heimat- und Geschichtsvereins und des Haus- und Grundbesitzervereins Erlangen gegen Abriss von Fassade und Dachstuhl des ehemaligen Neustädter Schießhauses Nürnberger Straße 26 wird wohl das barocke Objekt dem Neubau des Einkaufszentrums Grande Galerie, der einem architektonischen Gesamtkonzept folgen soll, weichen müssen. Beim Bau der ersten Grande Galerie im Jahr 1987 wurde das Anwesen Nürnberger Straße 26 noch als denkmalschutzwürdig eingestuft und daher in seinem äußeren Erscheinungsbild in den Gesamtkomplex integriert.

Den Denkmalschutzstatus hat es vor einigen Jahren verloren, sodass sich auch der Erlanger Stadtrat nicht dazu in der Lage sah, einen Neubau der Grande Galerie unter Vernichtung von barocker Fassade und Dachstuhl zu verhindern. Bis zur Entmietung der Grande Galerie wurde das ehemalige Neustädter Schießhaus (wenn man so will traditionsgemäß) auch gastronomisch genutzt – hier bot ein China-Restaurant, dessen nach hinten ausgerichtete Dachterrasse ganz besonders beliebt war, fernöstliche Spezialitäten, aber auch Erlanger Kitzmannbiere an.

Grund genug für uns, an dieser Stelle an die Gastronomiegeschichte des Barockhauses Nürnberger Straße 26 zu erinnern. Das Neustädter Schießhaus der Deutschen Flintenschützenkompanie wurde im Jahr 1728 an der Allee vor dem Nürnberger Tor errichtet und erhielt bereits im darauf folgenden Jahr die Gaststättenerlaubnis unter dem Namen „Zum Erbprinzen“. Im 19. Jahrhundert wechselte die Gastronomie den Namen und erhielt die Bezeichnung „Gaststätte zur Stadt Nürnberg“.

In dem gutbürgerlichen Gasthaus wurden bis 1975 die Biere der Erlanger Erich Bräu ausgeschenkt, die Hauptpächterin der Gaststättenräume des Barockhauses war. Gerne wurde hier vor allem das vom Fass gezapfte Vollbier hell getrunken, welches die Erich Bräu unter der Bezeichnung „Urtyp hell“ vermarktete. Bereits im Jahr 1963 wechselte allerdings die Ausrichtung der Küche. Hier entstand mit der Pizzeria Alfredo eines der ersten italienischen Lokale Erlangens. Das blieb auch nach Schließung der Erich Bräu 1975 so, in den Folgejahren wurden in diesem Objekt der Weidner-Memini-Gastronomie die Produkte der Nürnberg-Fürther Patrizier Bräu ausgeschenkt.

Aber nicht sehr lange, denn auch hier wechselte man (wie damals vielfach in der Erlanger Gastronomie bei Ablauf der Bierlieferungsverträge) zum original in der Universitätsstadt gebrauten Kitzmannbier.

Hoffen wir, dass auf der vom Stadtrat gewünschten Gedenktafel am neuen Einkaufszentrum auch die Gaststätten- und Bierlieferungshistorie des ehemaligen Neustädter Schießhauses eine würdige Berücksichtigung findet.