Archiv der Kategorie: Historisches

Schützenscheibe der HSG Erlangen stellt die Erlanger Bierwelt des Jahres 2024 ins Zentrum

Bei der Königlich privilegierten Hauptschützengesellschaft Erlangen (HSG), deren Anfänge sich bis auf das Jahr 1456 zurückverfolgen lassen, ist es gute Tradition, dass der amtierende Vogelkönig dem Verein eine Schützenscheibe stiftet. Die Scheibe soll immer eine zeit-, lokal- oder vereinsgeschichtliche Gegebenheit widerspiegeln. Diesem Brauch folgte der amtierende Vogelkönig 2023 Michael (Michl) Finzel und ließ eine Schützenscheibe nach seinen Wünschen und Vorstellungen gestalten.

Als Basismotiv wählte der leidenschaftliche Sammler Erlanger Brauereidevotionalien und Inhaber eines privaten Bergkirchweihmuseums die Bierdeckel-Motive der vier gewerblichen Erlanger Brauereien. So fanden die Logos der Steinbach Bräu, der Hofbräu Oberle, der Krapp-Bräu und der Entla`s-Bräu sowie die kupferne Sudkesselhaube am Parkplatz des Entla`s-Kellers, das Erlanger Bier-Signet des Brauereihistorikers Jochen Buchelt und das Wappen des Erlanger Vereins zur Förderung der Fränkischen Braukultur e.V. (VFFB) ihren Platz auf der Scheibe. Das Ganze wurden gekonnt und nahezu fotografisch von „Hobbypainter“ Bernhard Hofmann nach den Vorgaben von Nina Finzel, der Tochter des Vogelkönigs, in Szene gesetzt.

Das Erlanger Biersignet „Erlanger Bier – in Erlangen gebraut“ ist ein Herkunftszeichen, das nur Erlanger Sudbetrieben zugedacht ist, die ihre Biere auch tatsächlich in der Universitätsstadt herstellen.

Insgesamt 58 Schützen, Vereinsmitglieder und Gäste des amtierenden Vogelkönigs, im Hauptberuf Garten- und Landschaftsbauer, konnten am Sonntag, 14. April 2024, in der Zeit von 10.00 Uhr bis 11.45 Uhr im Erlanger Waldschießhaus ihr geschultes Auge im Freischießen mit dem Kleinkalibergewehr auf einer Distanz von 50 m unter Beweis stellen. Wer am nächsten am Zielpunkt war bzw. in das festgelegte Ziel schoss, hat die Schützenscheibe für sich „erschossen“. Der schwarze Punkt befand sich auf der rechten Seite der Sudwerkshaube.

Sieger des sonntäglichen Wettschießens war Oberschützenmeister Uwe Schneider, der als 8. Schütze den Siegestreffer landete und die Punktmitte nur um Millimeter verfehlte. Herzlichen Glückwunsch! Sein Name wird jetzt noch auf der Scheibe von dem meisterlichen Gestalter Bernhard Hofmann verewigt. Dann findet sie ihren würdigen Platz über dem Stammtisch der Schützen in der Gaststätte des Erlanger Waldschießhauses.

Michl Finzel gebührt ein besonderer Dank, da er mit seinem Schützenscheibenmotiv für die Erlanger Brauereisituation des Jahres 2024 ein bleibendes Zeitzeugnis geschaffen hat.

Erlanger Bier – in Erlangen gebraut

Bier ist ein Kulturgut mit festem Heimatbezug, wie es bei guten Lagenweinen der Fall ist. Seit Jahrhunderten ist die fränkische Universitätsstadt Erlangen Produktionsstandort bester Biere, die sich bereits im 19. Jahrhundert in vielen Ländern dieser Welt eines hervorragenden Rufes erfreuten. Die vielen Felsenkeller auf dem Erlanger Burgberg künden noch von deren kalter Lagerung. Hier findet bis heute alljährlich um Pfingsten die Erlanger Bergkirchweih statt, unsere fünfte Jahreszeit.

Erlangen war im ehemaligen Königreich Bayern führende Bierexportstadt, neben Nürnberg, Kulmbach und München. Nicht umsonst entwickelte sich die Bezeichnung „Erlanger“ zu einem Sortenbegriff für ein süffiges Untergäriges mit höherer Stammwürze, der bald losgelöst vom Ursprungsort von Brauereien in vielen Teilen der Erde verwendet wurde. Dabei muss man klar unterscheiden:

  • Erlanger Bier: ausschließlich im Erlanger Stadtgebiet gebraut (Herkunftsbezeichnung)
  • Erlanger: kann in aller Welt gebraut sein (Sortenbegriff wie z. B. Pilsener oder Dortmunder)

Leider ist die heutige Zeit von starken Veränderungen geprägt. Gab es bis 1974/75 noch drei ruhmreiche Braustätten in der Uni-Stadt (nach einstmals ca. eineinhalb Dutzend), blieb nach der Schließung von Henninger-Reif und Erich für 20 Jahre nur die Privatbrauerei Kitzmann als einziger Stern am Erlanger Bierhimmel übrig. 1995 kam die gut 70 Jahre nur als Mälzerei  betriebene Steinbach-Bräu als Bierproduzentin wieder hinzu.

Gestärkt durch das erfolgreiche Jubiläumsjahr 2011, das der Freundeskreis der ehemaligen Brauerei Weller veranstaltete, gründete sich ein wenig später die Genossenschaftsbrauerei Weller eG, die zwar inzwischen in der Thalermühle einen Gastronomiestandort aufgebaut, aber leider bis heute keinen einzigen Tropfen Erlanger Bier gebraut hat. Da war die Fischerei-Familie Oberle in Erlangen-Kosbach wessentlich schneller: Sie ging im Februar 2018 mit einem eigenen Sudwerk als Hofbräu Oberle an die bieraffine Öffentlichkeit.

Im Sommer 2017 endete die Malzherstellung bei der Firma Klostermalz in Erlangen-Frauenaurach. Und dann folgte am 28. September 2018 der nächste Paukenschlag: Peter Kitzmann teilte seiner Gastro- und Handelskundschaft, seinen Mitarbeitern/innen und der Erlanger Stadtgesellschaft mit, dass er den Braubetrieb an der Südlichen Stadtmauerstraße ab sofort einstellen wird. Der seit dem Jahr 1712 existierende Standort wurde geschlossen, die vorhandenen Biervorräte abgefahren und die Gebäude an einen Investor verkauft. Ein Betriebsübergang fand nicht statt, einzig die gesamten Lagerbestände gingen, wie die Markenrechte, an eine oberfränkische Konzernbrauerei.

Bleiben uns in Erlangen neben den vielen engagierten Hobbybrauer/innen und dem Uni-Sudwerk des Lehrstuhls für Bioverfahrenstechnik als gewerbliche Braustätten (Stand April 2019) nur noch die Steinbach Bräu in der Erlanger Altstadt und die Hofbräu Oberle in Erlangen-Kosbach. Gebe Gott Glück und Segen drein, damit uns wenigstens diese beiden erhalten bleiben (vielleicht kommen ja auch bald noch eine oder zwei hinzu) und es auch noch in ferner Zukunft heißt: Erlanger Bier – in Erlangen gebraut!

 
 

 

Georg Rottner: eine Kriegenbrunner Institution ist plötzlich von uns gegangen

Am Samstag, 30. März 2019 wurde der allseits beliebte Kriegenbrunner Metzgermeister und Wirt des Gasthauses zur Linde im Alter von fast 66 Jahren jäh aus unserer Mitte gerissen. Das bekannte Original verstarb in seinem geliebte Geburtsort Kriegenbrunn. Die Urnenbeisetzung auf dem Kriegenbrunner Friedhof am 9. April 2019 fand im Kreise unzähliger Trauergäste statt. Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft waren nur zwei von vielen positiven Eigenschaften, die diesen ganz besonderen Menschen auszeichneten. Wie kein anderer konnte er aus der Historie und dem gesellschaftlichen Leben vergangener Tage des Erlanger Südwestens und weit darüber hinaus berichten. Unvergessen werden auch die zusammen mit seinem Sohn Michael im großen Wurstkessel gebrauten „Greebrunner“ Lindenbräu Biere bleiben. Seit Jahren belieferte er das Erlanger Martini-Treffen mit warmen Leber- und Fleischkäse. Zur Kerwa lies er es sich nicht nehmen, an alle Verwandte, Freunde und Bekannte tageland frischgebackene Küchle zu verteilen. Legendär waren auch seine fränkischen Bratwürste, für die manche Liebhaber weite Strecken auf sich nahmen.

Ein ganz herzliches Vergelts Gott, Himpferla!

Ein großer Brauherr ist gegangen – Erlangen trauert um Karl Kitzmann

Foto: Sabine Ismaier
Karl Kitzmann (+ 26.12.2012)
Foto: Sabine Ismaier

In der Nacht vom 1. auf den 2. Weihnachtsfeiertag 2012 verstarb der Seniorchef der Privatbrauerei Kitzmann ganz friedlich in seinen eigenen vier Wänden. Mit ihm verliert Erlangen den letzten großen Brauherrn der biersehnsüchtigen ersten vier Jahrzehnte der Bundesrepublik Deutschland. Er hinterlässt Tochter Elisabeth mit Enkelsohn Benedikt sowie die Söhne Johannes und Peter, der seit Anfang der 1990er Jahre die Geschäfte der Privatbrauerei führt.

Untrennbar werden mit Karl Kitzmann der Aufstieg der beliebten Kitzmann Leitsorte Edelpils und der nach der Schließung der H. Henninger Reifbräu und Erich Bräu 1974/75 entwickelte Slogan „Unser Erlanger Bier“ verbunden bleiben.

Karl Kitzmann wurde wunschgemäß an der Seite seiner im Juni 2002 vorausgegangenen Ehefrau Elisabeth auf dem alten Friedhof in Ottensoos im Familiengrab der Brauereibesitzerfamilie Süß (Kronen Bräu) beigesetzt. Den Trauergottesdienst in der vollbesetzten evangelisch-lutherischen St. Veit-Kirche zu Ottensoos hielt am 3. Januar 2013 Pfarrer Dr. Wolfgang Leyk, bei dessen Sonntagspredigten in der Neustädter- und Universitätskirche Erlangen Karl Kitzmann Stammbesucher war. Gegen Ende des Trauergottesdienstes (mit gestaltet vom Männergesangsverein Ottensoos) folgten ganz persönliche Nachrufe auf den lieben Verstorbenen von Oberbürgermeister Dr. Siegfried Balleis und Konrad Dennerlein (Kitzmann Rentnergruppe).

Hier der Wortlaut der Gedenkrede von Herrn Dr. Siegfried Balleis:

„Sehr geehrte Angehörige, sehr geehrte Trauergemeinde, vor wenigen Tagen verstarb Karl Kitzmann. Alle die ihn kannten, werden ihn schmerzlich vermissen. Sein Leben war geprägt von großem bürgerschaftlichem Engagement, großer Herzlichkeit und vor allem Rechtschaffenheit. Besonders beeindruckend war die Ruhe, die er ausstrahlte und auch seine Besonnenheit. Die Stadt Erlangen sowie ihre Bürgerinnen und Bürger haben dem Verstorbenen viel zu verdanken.

Lassen Sie uns zurückblicken: Karl Kitzmann trat nach seiner Lehre zum Brauer und einer anschließenden kaufmännischen Ausbildung in den elterlichen Betrieb ein. Er leitete die Brauerei Kitzmann mehr als 40 Jahre und stand seinem Sohn und Nachfolger als guter Ratgeber zur Seite. Karl Kitzmann machte aus der kleinen Brauerei ein nicht nur in Erlangen sondern auch in der Europäischen Metropolregion Nürnberg angesehenes mittelständisches Unternehmen, das sich tapfer auf dem Markt behauptet.

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Vom Erfolg des Familienunternehmens hat auch die Stadt Erlangen profitiert, die dem Unternehmer Karl Kitzmann im Jahr 1989 den Ehrenbrief für Verdienst auf dem wirtschaftlichen Gebiet verlieh. Karl Kitzmann hat sich als Unternehmer und Privatperson in vielfältiger Weise für unser Gemeinwesen eingesetzt. Die Begleitung von sportlichen und kulturellen Veranstaltungen, wie seine langjährige Unterstützung der Veranstaltung „Jugend musiziert“, und sein Einsatz für unsere Umwelt seien hier nur beispielhaft erwähnt.

Ein besonderes Augenmerk hat Karl Kitzmann auch auf die Erlanger Städtepartnerschaften gelegt. Zahlreichen Gästen und Freunden aus dem internationalen Ausland, vor allem aus Rennes, war er ein freundlicher Gastgeber.

Verehrte Trauergemeinde, wir werden Herrn Karl Kitzmann nicht nur als große Unternehmerpersönlichkeit sondern auch als Freund vermissen und ihn ehrenvoll in Gedenken halten. Wir danken in Freundschaft und Verbundenheit für sein Lebenswerk und begleiten Karl Kitzmann auf seinem letzten Weg.“

Auf Wunsch der Hinterbliebenen, die sich tapfer an diesem nasskalten Januarnachmittag den persönlichen Beileidsbekundungen am Grab des Verstorbenen stellten, sollte von Blumen- und Kranzspenden abgesehen werden. Stattdessen erbaten Sie eine Spende zum Schutz der Erlanger Gewässer auf das Spendenkonto Nr. 300000116 bei der VR-Bank Erlangen-Höchstadt, BLZ 763 600 33. Im Anschluss an den Gottesdienst und die Beerdigung auf dem alten Friedhof Ottensoos lud die Familie Kitzmann die gesamte Trauergemeinde in den Gasthof Zur Einkehr der Familie Güthlein in Erlangen-Büchenbach.

Die Bierstadt Erlangen hat eine ihrer wichtigsten Persönlichkeiten verloren. Wir werden Karl Kitzmann in bester Erinnerung behalten und ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren.

Werner Dummert nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben

Werner Dummert
Werner Dummert beim H. Henninger Reifbräu-Veteranentreffen am 26.03.2009

Urnenbestattung unter den Bäumen des Bruckes Friedhofes
Urnenbestattung unter den Bäumen des Bruckes Friedhofes

Am 5. Dezember 2012 starb der gelernte Brauer und Mälzer Werner Dummert in den Armen seiner lieben Frau Gitti. Er wurde 77 Jahre alt. Der beliebte Sonnenblick-Siedler, Hobbyangler, Hühnerzüchter  und Bratwurstmacher war viele Jahre als Biersieder wichtigster Mann im Sudhaus der H. Henninger Reifbräu an der Kuttlerstraße. Er blieb der Ende 1974 geschlossenen Traditionsfirma Zeit Lebens emotional eng verbunden, zu der er nach  einem beruflichen Auflug zu Brauereien in Köln und Leverkusen ende der 1950er Jahre zurückgekehrt war.

Wie viele andere Erlanger Biertrinker fand er ab 1975 im Kitzmann Edelpils ein neues Lieblingsbier, dem er sich gerne unter seinem Kirschbaum oder im Wintergarten zuwandte. Seine Urne wurde am Freitag, 21.12.2012, im Beisein einer großen Trauergemeinde  an Baum Nr. 10, im neuen Baumfeld des Brucker Freidhofes, beigesetzt. Wir werden Werner Dummert in sehr guter Erinnerung behalten!

 

Die Brauerei Weller Erlangen – 100 Jahre vor 100 Jahren

Werbetafel um 1870

Am 6. September 1811 kaufte Johann Adam Erich das 1730 erbaute „Gasthaus Zum goldenen Engel“ in der Neuen Straße 13 und richtete dort noch im gleichen Jahr eine Brauerei ein. Sein Bier durfte er zunächst nur für den eigenen Ausschank brauen, später bekam er auch die Erlaubnis, „unter dem Reifen“ an Verbraucher außerhalb des Hauses und andere Gastwirte fassweise zu verkaufen. Gelagert wurde der Gerstensaft im zur Brauerei gehörenden Felsenkeller am Burgberg, der heute noch allen Bergkirchweihbesuchern unter dem Namen Müller’s Bergstation oder Weller Keller ein Begriff ist. Oberhalb des Kellerhäuschens befand sich im 19. Jahrhundert auch der hauseigene Hopfengarten.

 

Johann Weller um 1880

Johann Adam Erich war übrigens der Onkel von Franz Erich, dem Namensgeber der Erich Bräu Erlangen. Unter drei Erich-Generationen wuchsen die Ausstoßzahlen und die Betriebsflächen – die Anwesen Theaterplatz 16 und 17 kamen hinzu. Der Goldene Engel, im studentischen Sprachgebrauch nur „Erichei“ genannt, hatte seinerzeit Erlangens größten Tanzsaal.

1868 kaufte der Privatmann Adam Weller das gut gehende Gasthaus mit der Brauerei, die mit ihrem beliebten Versandbier auch am außerbayerischen Bierexport Erlangens beteiligt war. 1877 übernahm der Sohn des Käufers, der Bierbrauer Johann (Hans) Weller den Betrieb und konnte sich in den Boomjahren der Erlanger Bierausfuhren über einen stabilen Absatz freuen. Auf dieser positiven wirtschaftlichen Basis gestaltete er 1883/84 das Gesamtanwesen völlig um. Er investierte in ein neues Brauhaus an der Neuen Straße; den Gastronomiebetrieb – jetzt „Wellerei“ genannt – verlegte er in das Anwesen Theaterplatz 16. So entstand Raum, um das westliche Nachbargebäude Theaterplatz 17 zu einem repräsentativen bürgerlichen Wohnhaus auszubauen.

Nachdem Johann Weller die Brauerei 34 Jahre lang geführt hatte, wurde nach genau 100 Jahren im 1. Quartal 1911 an der Neuen Straße 13 zum letzten Mal ein Sud Bier gebraut. Am 27. Mai 1911 meldete er sein Gewerbe ab. Auch die Gaststätte schloss im selben Jahr, das Braukontingent wurde verkauft.

Bierglasuntersetzer um 1910

So ist das Jahr 2011 für die ehemalige Weller Bräu Erlangen ein Doppelgedenkjahr zur Erinnerung an die Brauereigründung 1811 und die Produktionseinstellung 1911. Eigentlich darf man in der traditionsreichen Bierstadt Erlangen solche Jubiläumsdaten nicht unbeachtet vorübergehen lassen – sehen wir einmal, was sich der dritte Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Erlangen und Ortskurator Erlangen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz Hans Kurt Weller, Urenkel von Johann (Hans) Weller, dazu einfallen lässt!?!

 

 

 

Herzlichen Glückwunsch zum 85. Geburtstag Karl Kitzmann

Foto: Sabine Ismaier

Am Sonntag, 3. April 2011, feierte Karl Kitzmann, Seniorchef der gleichnamigen Privatbrauerei, seinen 85. Geburtstag. Wir gratulieren ihm zu seinem Ehrentag aufs Herzlichste und wünschen ihm auch für die Zukunft Gesundheit und alles Gute. Der Spross einer Familie, die bereits im Jahr 1833 den Erlanger Traditionsbetrieb erworben hatte, erlernte das Brauerhandwerk u.a. bei der H. Henninger Reifbräu, woran sich einige Henninger-Veteranen noch heute gerne erinnern. Zunächst Prokurist und nach dem Tod des Vaters 1967 Firmeninhaber, leitete er bis Anfang der 1990er Jahre den Sudbetrieb in den Zeiten seiner größten Expansion und der größten Absatzerfolge (von der Rückbesinnung auf in Erlanger gebrautes Bier nach der Schließung von H. Henninger Reifbräu und Erich Bräu in den 1970er Jahren bis hin zum Bierboom in den deutschen Wendejahren 1990/91). Stets unterstützt und begleitet wurde er von seiner Ehefrau Elisabeth, die mit der Ottensooser Kronen Bräu im Nürnberger Land ihre eigenen familiären Brauereiwurzeln hatte. Nach deren schwerer Erkrankung pflegte er sie (zusammen mit den Kindern) viele Jahre lang bis zu ihrem Tod im Juni 2002.

Freuen wir uns auf ein Wiedersehen mit Karl Kitzmann auf der 256. Erlanger Bergkirchweih im Juni d. J. und im kommenden Jahr, wenn es gilt, den 300. Geburtstag der Privatbrauerei Kitzmann würdig und angemessen zu feiern.

 

Frau Maximiliane Reuter 86-jährig verstorben

Maximiliane Reuter † 8. Januar 2010; Foto: Dr. Friedrich Reuter (Juli 2008)

Am 8. Januar 2010 starb die am 24. Juli 1923 geborene Frau Maximiliane Reuter, geb. Resenscheck. Frau Maximiliane Reuter war die letzte Geschäftsführerin der Erlanger Limonaden- und Essigfabrik Resenscheck, Katholischer Kirchenplatz 13.

Im Jahr 1878 hatte die Familie Resenscheck den bereits 1810 in Erlangen gegründeten Betrieb übernommen und setzte neben der Produktion von Essig, Mineralwasser, Limonaden, Spirituosen, Obst- und Beerenweinen bald auch auf den Flaschenbierexport. Hierzu wurde aber nicht selbst Bier gebraut, sondern im Fass erworbener Gerstensaft Erlanger Brauereien in eigene Flaschen gefüllt, pasteurisiert und anschließend bis nach Übersee versandt. In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre verkaufte die Familie Resenscheck ihren nicht mehr benötigten Burgbergkeller an die Kitzmann Bräu, der seitdem Teil des Entlas-Keller-Ensembles ist. Auf der Bergkirchweih wurden die Resenscheckschen Limonaden hauptsächlich von der Familie Steinmüller am Hofbräu Keller verkauft. Anfang der 1960er Jahre musste Frau Reuter die Essig- und Limonadenproduktion aufgrund rückläufiger Umsätze und eines hohen Investitionsbedarfs einstellen.

Die Affinität zum Essig ließ Frau Reuter zeitlebens nicht los, so bestand sie auch in späteren Jahren bei der Bereitung ihrer Speisen auf 5 %igen Branntweinessig – mit Wein-, Apfel- oder gar Himbeeressig konnte man bei ihr keinen Staat machen! Zu ihrem 85. Geburtstag 2008 wartete Jochen Buchelt mit einer besonderen Überraschung für sie auf: Er stand mit einem Kasten Schlucki-Limonaden der Fa. Getränke Schuler Bamberg vor der Tür, was bei Frau Reuter ein ungeahntes Aha-Erlebnis erzeugte. Schließlich hatte die Fa. Resenscheck in den 1950er und 1960er Jahren selbst Limonaden der Lizenzmarke Schlucki hergestellt.

 

 

 

Kitzmann Bräu Erlangen

 Im Jahr 1712 erhielten Leonhardt Wernand Buirette d`Oehlefeldt und Christoph Bever das markgräfliche Privileg zur Errichtung eines Brauhauses in der damaligen Stadtrandlage Südliche Stadtmauerstraße 25. Leonhardt Wernand war ein Cousin des Isaac Buirette d`Oehlefeldt, dem Urvater der späteren Reifbräu. 1724 ging der Betrieb an Georg Vierzigmann, der bereits 1729 eine weitere Brauerei eröffnete (die spätere Hofbräu). Nach der Ära der Familie Vierzigmann gab es ab 1797 vier Besitzerwechsel, bis schließlich 1833 die Familie Kitzmann eine bis heute andauernde Kontinuität begründete. Der Käufer Johann Lorenz Kitzmann entstammte einer Familie, deren Wurzeln neben Baudenbach nach Unternesselbach im Steigerwald weisen, wo sie schon seit 1733 Bier braute. Auch die Kitzmann Bräu hatte ihren Anteil am Wachstum des Erlanger Braugewerbes, so lag sie in den boomenden 1870er Jahren im vorderen Bereich der mittelgroßen Brauereien. Zweite Erlanger Generation war Johann Peter Kitzmann (1837 bis 1888), dessen Witwe Marie – als „die Kitzmänni“ eine stadtbekannte Persönlichkeit – die Geschäfte bis zum Eintritt des Sohnes August (1883 bis 1967) weiterführte.

Nach der Überwindung manch kritischer Situation und der zwei Weltkriege mit ihren negativen Folgen konnte in den 1950er und 1960er Jahren währen des Wirtschaftswunders ein kontinuierliches Wachstum erreicht werden. Karl Kitzmann, der die Leitung ab 1959 inne hatte, setzte mit Erfolg u.a. auf die Belieferung von Großbaustellen mit Flaschenbier. Einen wichtigen Anstoß zur positiven Weiterentwicklung gab der Entschluss der Patrizier Bräu Nürnberg, die beiden anderen Erlanger Braustätten (Henninger-Reif und Erich) 1974/75 zu schließen. Das Erlanger Lokalbewusstsein ließ viele Biertrinker dem in der Stadt Gebrauten treu bleiben, der Slogan „Unser Erlanger Bier“ spiegelte das wider. Die Kitzmann Bräu steigerte ihren Ausstoß, 1983 konnte erstmals die Marke von 100.000 Hektolitern überschritten werden. Den Anfang zu einer umfassenden Modernisierung der Brautechnik machte der Sudhausneubau 1977. Die damals u.a. installierten Edelstahl-Gärtanks wurden im Februar 2003 schon wieder durch Neue ersetzt.

Heute produziert man in handwerklicher Tradition auf hohem, durch Umweltmanagement und Öko-Monitoring geprägten Standard. Bestes Brauwasser aus eigenen Brunnen, Malz ausschließlich aus kontrolliertem, umweltgerechten Sommergerstenanbau, Hopfengaben noch per Hand und Hefe aus der eigenen Reinzucht sind die Ausgangsprodukte für sieben untergärige Biersorten. Die Familie Kitzmann sowie Braumeister Karl-Heinz Maderer kämpfen seit Jahren konsequent gegen den Trend zum Dosenbier. Ihr Bier wird fast ausschließlich im Regionalbereich vertrieben, so wie die Rohstoffe von hier kommen. 1992 wurde das Logistikzentrum zwischen Frauenaurach und Kriegenbrunn an der Neuenweiherstraße eröffnet, der Privatkundenverkauf ist in der Günther-Scharowsky-Straße 12 angesiedelt. Die Kitzmann Bräu hielt als einzige Sudstätte ununterbrochen die Tradition der Bierstadt Erlangen aufrecht, heute unter dem Slogan „Fränkisch lebensfroh genießen“. Mit Einführung seiner jüngsten Biersorte, dem Zwickl, schuf sich der Familienbetrieb auch eine neue Sympathieträgerin. Seit 1999 wählt die Kitzmann-Fangemeinde jedes Jahr eine junge Frau zu ihrer Bierkönigin.

 

 

Steinbach Bräu

Die Einrichtung der Thurn- und Taxis`schen Poststation an der Hauptstraße 116 (1653) steht in Verbindung mit dem Beginn der Bierproduktion. Unter wechselnden Besitzern wurde meist nur für den Eigenausschank gebraut, bis unter Georg Bechert ab 1848 ein starker Aufschwung kam. Dennoch verkaufte er 1861 an Carl Steinbach, dessen Nachfahren in fünfter Generation noch heute Mälzerei und Brauerei führen.

Insbesondere in den 1870er Jahren auch am Bierexport beteiligt, machte der Steinbach Bräu um 1900 die starke Konkurrenz der Großbrauereien zu schaffen. Nach dem Tod von Carl Steinbach 1902 übernahmen dessen Söhne Karl und Fritz den Betrieb.

Aufgrund technischer Modernisierungen stieg der Absatz, bereits damals war „Goldblondchen“ eine bekannte Marke. Die schwierige Lage nach dem Ersten Weltkrieg brachte die beiden Brüder im Inflationsjahr 1923 zur Einstellung der Bierproduktion.

Zusammen mit der Brauerei Hübner, der Klosterbrauerei Frauenaurach und der Brauerei Lederer in Stein wurde das Braukontingent an das Brauhaus Nürnberg verkauft, das auf die Dauer von 25 Jahren die Abnahme von vermälzter Gerste garantierte.

Gebäude und Räumlichkeiten wurden ganz auf die Malzproduktion umgestellt. Alle Malztennen waren bis 1965 durch Keimkästen mit automatischen Wendegetrieben ersetzt. Zwei Jahre zuvor war die Geschäftsführung an Karl Steinbachs Enkel Dieter Gewalt gegangen. Die beengte Innenstadtlage erforderte ständige Automatisierungsanstrengungen, heute u.a. der Zuständigkeitsbereich von Urenkel Jörg Gewalt.

Sein Bruder, Dipl. Braumeister Christoph Gewalt, knüpfte 1995 an die unterbrochene Brautradition an und setzte an der Vierzigmannstraße 4 ein kleines Spezialitätensudwerk in Betrieb. Hier entstehen aus eigenem Malz individuelle Biere, wie das Storchenbier zu Ehren der neuen Steinbach-Wappentiere, die alljährlich auf einem Kamin des Anwesens ihre Jungen aufziehen. Das dunkle Bergkirchweihbier wird seit 1997 wieder zu Pfingsten auf dem gleichnamigen Burgbergkeller gleich rechts vom „T“ ausgeschenkt.

Brauerei Erich

Der später auch „Herz der Erlanger Brauwirtschaft“ genannte Brauereikomplex der Erich Bräu entstand aus neun zusammenhängenden Einzelanwesen und hatte seine Wiege im Haus Altstädter Kirchenplatz 6. 1718 (nicht wie lange irrtümlich angegeben 1730) wurde sie von der Familie Windisch gegründet. Der entscheidende Wendepunkt der bislang eher bescheiden agierenden Brauerei mit dem markanten Kellerhäuschen am Burgberg war das Jahr 1848.

Nach dem Erwerb durch Franz Erich wuchs sie innerhalb eines guten Jahrzehnts zur größten Exportbrauerei Erlangens (von 1869 bis 1874 blieb das so). Dieser Aufstieg war verbunden mit dem Bau einer modernen Betriebsstätte. 1875 verstarb Franz Erich, sein Witwe führte die Brauerei unter dem Firmennamen Franz Erich weiter. Der Sohn Martin Ernst Erich ließ 1886/1887 das heutige Erichhaus (Theaterplatz 22) errichten. Ein imposantes Gebäude, das Selbstbewusstsein und gesellschaftliche Stellung der Familie Erich widerspiegelte.

Trotz rückläufigen Exports stand die Brauerei in den Jahrzehnten nach 1885 auf dem Höhepunkt ihres internationalen Renommees, was etliche Goldmedaillen und Auszeichnungen belegen, die bei Welt- und Industrieausstellungen errungen wurden. 1905 starb mit Martin Ernst Erich der letzte Vertreter des ruhmreichen Namens, die Firma ging über dessen Schwester an die Familie Toenishen.

In wirtschaftlich kritischen Zeiten übernahm Fritz Toenishen 1919 das Unternehmen und führte es durch die schwierigen 1920er Jahre, bis 1930 doch Konkursantrag gestellt werden musste. Die Rettung folgte 1931 durch die neuen Eigner Stadt Erlangen und Bamberger Mälzerei AG mit der Nachfolgegründung „Exportbrauerei Franz Erich GmbH“. In den 1930er Jahren gelang die wirtschaftliche Konsolidierung, wozu Gasthausneubauten (u.a. Freie Scholle), der Ausschank im städtischen Redoutensaal und sogar Lieferungen zu den Nürnberger Reichsparteitagen 1937 und 1938 beitrugen.

Das Bayerische Staatsministerium des Innern legte der Stadt Erlangen 1938 rechtsaufsichtlich nahe, sich von der Brauereibeteiligung zu trennen (schon seit Jahren eine Forderung der Konkurrenz), was 1940 gezwungenermaßen geschah. Ab 1946 (bis 1973) folgte die Ära des Dipl. Brauerei-Ingenieurs Herbert Kienle als Direktor. Nach Überwindung der Dünnbierzeit (mit nur 1,7% zulässiger Stammwürze) blühte die Erich Bräu Anfang der 1950er Jahre wieder auf. 1955 feierte man sich selber (aufgrund der lange als richtig angenommenen Gründungsjahreszahl 1730) und die 200. Bergkirchweih.

Neben den beliebten Erich Bieren gewann Limonade (u.a. die Lizenzmarke Olympia) immer mehr an Bedeutung. Ab 1965 wurden das unter dem Braumeister Manfred Pscherer produzierte herbe Erich Pils wie auch das Bergkirchweihbier zur Legende. Sieben Jahre später gehörte die Brauerei zur Patrizier Bräu Nürnberg. Nach der Bergkirchweih 1975 schloss der Konzern den wirtschaftlich kerngesunden Betrieb. Auf dem Gelände errichtete die Stadt Erlangen unter teilweiser Erhaltung der Fassade das Sozialzentrum Dreycedern.

Die Brauerei Erlwein & Schultheiss, die spätere Hofbräu AG, am Bohlenplatz 6

Von Georg Ernst Vierzigmann 1729 gegründet, produzierte der Betrieb bis etwa 1870 vornehmlich für den Bedarf in der Nachbarschaft. Ein jahrzehntelanger Aufstieg begann mit der Übernahme durch Georg Erlwein 1876. Technische Modernisierungen, stete Absatzsteigerungen mit dem Schwerpunkt Nürnberg/Fürth und die Aufnahme des Direktors Leonhard Wilhelm Schultheiss als Teilhaber (1895) waren dabei die eine Seite; die andere waren Brände, Unfälle, Streiks und Klagen über Umweltbelästigungen. Die Brauereigebäude dehnten sich damals fast bis zum Schlossgarten aus, die Universitätsstraße wurde erst viel später gebaut. Der 1. Weltkrieg und seine Folgen brachten für Erlwein & Schultheiss 1919 die Übernahme durch die Hofbräu Bamberg. Bald war die Braustätte erneut erfolgreich und ließ Ende der 1920er Jahre im Bierausstoß sogar die Erich Bräu weit hinter sich. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wendete sich wegen des jüdischen Großaktionärs Ignatz Nacher das Blatt, die Firma wurde schon 1934 „arisiert“. Wenig später kam mit einem Großbrand 1936 das Ende als Sudstandort. Es blieben nur eine Bierniederlassung (für die Bamberger Produktion) und die Eisfabrikation. 1954 wurde das große, kliniknahe Ruinengelände an der Universitäts- bzw. Krankenhausstraße geräumt und an die Friedrich-Alexander-Universität verkauft, die hier die Institute für Rechtsmedizin und Pharmakologie sowie die Klinikapotheke errichtete. Das Depot der Hofbräu AG fand neue Standorte in der Hofmannstr. 116 und anschließend am Südrand von Tennenlohe (bis 1977). Die Hofbräu AG ging in der Patrizier-Bräu AG Nürnberg auf.

Das Hofbräu-Stübel am Bohlenplatz 4

Mit dem 1728 errichteten Haus war seit 1731 das Garküchenrecht zu den „Drei Rosen“ verbunden. Die angrenzende Krankenhausstraße wurde damals auch als Rosen- oder Drei-Rosenwirts-Gasse bezeichnet. 1921 erwarb die Hofbräu AG das Gebäude, das 1926 gründlich renoviert wurde. Seit etwa 1931 führte der Betrieb den Namen Hofbräu-Stübel, später folgte u.a. die Bezeichnung „Balkangrill“, heute befindet sich hier das griechische Restaurant „Delphi“.